Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) leicht erklärt
Der Zweite Weltkrieg dauerte von 1939 bis 1945 und ist bis heute der folgenreichste und opferreichste Krieg der Menschheitsgeschichte. Schätzungen gehen von 60 bis 70 Millionen Toten weltweit aus - Soldaten und, in einem bis dahin nie gekannten Ausmaß, Zivilisten. Er wurde auf mehreren Kontinenten gleichzeitig geführt, von Westeuropa über Nordafrika bis in den Pazifik, und er war untrennbar verbunden mit einem der größten Verbrechen der Geschichte: dem Holocaust, der systematischen Ermordung von Millionen Menschen durch das nationalsozialistische Deutschland. Um diesen Krieg zu verstehen, muss man bei seinen Ursachen beginnen - und die reichen zurück bis in die letzten Tage des Ersten Weltkriegs.
Eine wichtige Wurzel des Zweiten Weltkriegs liegt im Versailler Vertrag von 1919, der den Ersten Weltkrieg beendet hatte. Viele Deutsche empfanden die darin festgelegte Kriegsschuld, die hohen Reparationszahlungen und die Gebietsverluste als tiefe Demütigung. Diese Verbitterung nutzten rechtsradikale Kräfte gezielt aus - etwa mit der Erzählung, das deutsche Heer sei im Feld nie wirklich besiegt worden, sondern von Sozialdemokraten und Juden „im Rücken" verraten worden (die sogenannte Dolchstoßlegende). Diese Behauptung hatte mit den tatsächlichen militärischen Tatsachen nichts zu tun, war politisch aber enorm wirksam, weil sie einfache Schuldige für eine komplizierte Niederlage lieferte.
Verschärft wurde die Lage durch die Weltwirtschaftskrise, die 1929 in den USA begann und rasch die ganze Welt erfasste. In Deutschland stieg die Arbeitslosigkeit bis 1932 auf über sechs Millionen Menschen. Existenzängste und der Eindruck, dass die demokratischen Parteien der Weimarer Republik keine Lösungen mehr fänden, trieben viele Wählerinnen und Wähler zu den politischen Rändern - vor allem zur NSDAP unter Adolf Hitler, die einfache Erklärungen und einen radikalen Neuanfang versprach.
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler - völlig im Rahmen der geltenden Verfassung. Innerhalb weniger Monate baute Hitler diese Position jedoch zu einer Diktatur aus: Nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 wurden Grundrechte außer Kraft gesetzt, im März 1933 erzwang die NSDAP das sogenannte Ermächtigungsgesetz, das der Regierung erlaubte, Gesetze ohne das Parlament zu erlassen. Andere Parteien wurden verboten oder lösten sich unter Druck selbst auf, Gewerkschaften wurden zerschlagen, die Presse gleichgeschaltet. Aus einer Demokratie wurde so binnen weniger Monate ein totalitärer Führerstaat.
Zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war eine menschenverachtende Rassenlehre: Die Nationalsozialisten teilten Menschen in „wertvolle" und „minderwertige" Gruppen ein und stellten die sogenannte „arische Rasse" an die Spitze einer erfundenen Hierarchie. Im Zentrum ihres Hasses stand ein radikaler Antisemitismus, der Jüdinnen und Juden zu Sündenböcken für praktisch alle Probleme Deutschlands erklärte. Dazu kam die Idee vom „Lebensraum im Osten": Hitler und die NS-Führung wollten die Sowjetunion erobern, die dortige Bevölkerung unterwerfen, vertreiben oder ermorden lassen und die Gebiete mit deutschen Siedlern besiedeln. Diese Eroberungs- und Vernichtungsabsicht war von Anfang an fester Bestandteil der NS-Pläne, nicht erst eine Folge des späteren Kriegsverlaufs.
Ab Mitte der 1930er-Jahre setzte Hitler seine Ziele Schritt für Schritt gegen internationalen Widerstand durch, der überraschend schwach ausfiel. 1936 ließ er das Rheinland remilitarisieren, obwohl der Versailler Vertrag das ausdrücklich verboten hatte. 1938 erzwang er den „Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich. Im selben Jahr forderte er das mehrheitlich deutschsprachige Sudetenland der Tschechoslowakei; im Münchener Abkommen vom September 1938 gaben Großbritannien und Frankreich diesem Druck nach, um einen Krieg zu vermeiden - eine Politik, die als „Appeasement" bekannt wurde. Der erhoffte Frieden hielt nicht lange: Bereits im März 1939 ließ Hitler auch den Rest der Tschechoslowakei besetzen und brach damit das Münchener Abkommen selbst. Spätestens jetzt war westlichen Politikern klar, dass Hitlers Ziele nicht bei „deutschen" Gebieten haltmachen würden.
1933 kam Hitler an die Macht, 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der Krieg in Europa, 1941 wurde er mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und Japans Angriff auf Pearl Harbor endgültig zum globalen Krieg.
Am 1. September 1939 überfiel die deutsche Wehrmacht ohne Kriegserklärung Polen - das gilt als der Beginn des Zweiten Weltkriegs. Kurz zuvor, am 23. August 1939, hatten Deutschland und die Sowjetunion überraschend den Hitler-Stalin-Pakt geschlossen, einen Nichtangriffsvertrag mit einem geheimen Zusatzprotokoll, das Osteuropa in deutsche und sowjetische Einflusszonen aufteilte - Polen sollte zwischen beiden Mächten geteilt werden. Weil Großbritannien und Frankreich Polen zuvor Beistand zugesichert hatten, erklärten sie Deutschland am 3. September 1939 den Krieg. Die polnische Armee war der deutschen „Blitzkriegtaktik" - schnelle, koordinierte Angriffe von Panzern und Luftwaffe - nicht gewachsen und wurde binnen weniger Wochen besiegt, unterstützt durch den sowjetischen Einmarsch von Osten am 17. September.
In den folgenden Monaten setzte sich der deutsche Erfolg fort: 1940 wurden Dänemark und Norwegen besetzt, im Mai 1940 überrannte die Wehrmacht die Niederlande, Belgien und schließlich Frankreich, das bereits im Juni 1940 kapitulierte - eine Niederlage, die viele angesichts der Erfahrungen des Ersten Weltkriegs für undenkbar gehalten hatten. Nur Großbritannien leistete unter Premierminister Winston Churchill weiter Widerstand und gewann die „Luftschlacht um England" im Sommer und Herbst 1940 gegen die deutsche Luftwaffe, wodurch eine geplante deutsche Invasion der britischen Insel verhindert wurde.
Einen entscheidenden Wendepunkt brachte der 22. Juni 1941: An diesem Tag griff Deutschland trotz des Nichtangriffspakts die Sowjetunion an - das „Unternehmen Barbarossa", der bis dahin größte Militäreinsatz der Geschichte. Anfangs kamen deutsche Truppen weit ins sowjetische Territorium vor, doch der erhoffte schnelle Sieg blieb aus. Der harte russische Winter, gewaltige Entfernungen und der zähe sowjetische Widerstand zermürbten die Wehrmacht; die Schlacht um Stalingrad 1942/43, bei der eine ganze deutsche Armee eingeschlossen und vernichtend geschlagen wurde, gilt vielen Historikern als militärischer Wendepunkt des gesamten Krieges in Europa. Von da an war die Wehrmacht an der Ostfront überwiegend auf dem Rückzug.
Fast zeitgleich weitete sich der Krieg zu einem echten Weltkrieg aus: Am 7. Dezember 1941 griff Japan, das bereits seit 1937 einen brutalen Krieg gegen China führte und mit Deutschland und Italien im sogenannten Dreimächtepakt verbündet war, ohne Kriegserklärung die amerikanische Flotte im Hafen von Pearl Harbor auf Hawaii an. Die USA erklärten daraufhin Japan den Krieg; wenige Tage später erklärte Hitler seinerseits den USA den Krieg, wodurch die Vereinigten Staaten offiziell auch in den Krieg gegen Deutschland eintraten. Damit standen sich nun die Alliierten (unter anderem USA, Großbritannien, Sowjetunion) und die Achsenmächte (Deutschland, Italien, Japan) auf globaler Ebene gegenüber.
Während der Krieg tobte, betrieb das nationalsozialistische Regime parallel die systematische Ermordung von Menschen in einem Ausmaß, das es zuvor nicht gegeben hatte: den Holocaust, auf Hebräisch auch Shoah genannt. Bereits seit 1933 waren Jüdinnen und Juden in Deutschland zunehmend entrechtet worden, etwa durch die Nürnberger Gesetze von 1935, die ihnen die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen und Eheschließungen mit „Ariern" verboten. Mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 begannen sogenannte Einsatzgruppen, mobile Mordkommandos, systematisch jüdische Zivilisten in den besetzten Gebieten zu erschießen - oft direkt vor Ort, in Massenerschießungen wie in Babyn Jar bei Kiew, wo an zwei Tagen im September 1941 mehr als 33.000 Menschen ermordet wurden. Ab 1942 ging die NS-Führung zur noch systematischeren, industriell organisierten Massenvernichtung über: Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 koordinierten hochrangige NS-Beamte in Berlin bürokratisch-nüchtern die Deportation und Ermordung der europäischen Juden, die sie zynisch „Endlösung der Judenfrage" nannten. In eigens errichteten Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor, Belzec, Chelmno und Majdanek wurden Menschen mit Zügen aus ganz Europa dorthin transportiert und in Gaskammern ermordet, ihre Leichen anschließend verbrannt.
Insgesamt ermordeten die Nationalsozialisten und ihre Helfer rund sechs Millionen europäische Jüdinnen und Juden - etwa zwei Drittel der jüdischen Bevölkerung Europas vor dem Krieg, darunter etwa 1,5 Millionen Kinder. Ermordet wurden auch Hunderttausende Sinti und Roma im sogenannten „Porajmos", politische Gegner des Regimes, Menschen mit Behinderungen im Rahmen des „Euthanasie"-Mordprogramms T4, homosexuelle Männer, Zeuginnen und Zeugen Jehovas sowie Millionen sowjetischer Kriegsgefangener, die gezielt durch Hunger und Vernachlässigung umgebracht wurden. Der Holocaust war kein Kollateralschaden des Krieges, sondern ein von langer Hand geplantes, bürokratisch organisiertes Verbrechen, das eigene Verwaltungsapparate, Fahrpläne und Methoden des industriellen Tötens hervorbrachte. Er gilt als das historisch am besten dokumentierte Menschheitsverbrechen und ist bis heute zentraler Bezugspunkt für Erinnerungskultur, Gedenkstätten und die Frage, wie eine moderne, kulturell hochentwickelte Gesellschaft zu einem solchen Verbrechen fähig war.
💬 Mia fragt Opa Theo
Wie konnte Hitler überhaupt an die Macht kommen, wenn Deutschland doch eine Demokratie war?
Ganz legal, das ist das Erschreckende daran. Die NSDAP wurde bei Wahlen stärkste Partei, weil Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit viele Menschen verzweifelt und wütend gemacht hatten. Hindenburg ernannte Hitler 1933 verfassungsgemäß zum Kanzler - danach hebelte er die Demokratie mit dem Ermächtigungsgesetz und Notverordnungen systematisch selbst aus.
Warum hat Deutschland die Sowjetunion angegriffen, obwohl es mit ihr einen Nichtangriffspakt hatte?
Weil dieser Pakt für Hitler nie mehr war als eine taktische Verschnaufpause. Die Eroberung des Ostens und die Unterwerfung der Menschen dort, die die Nationalsozialisten mit ihrer menschenverachtenden Ideologie zu „Untermenschen" erklärten, um Platz für deutsche Siedler zu schaffen, gehörte zum Kern seiner Weltanschauung - dieses „Lebensraum im Osten" genannte Ziel stand schon in seinem Buch „Mein Kampf" aus den 1920er-Jahren.
Hat Hitler den Holocaust von Anfang an genau so geplant, oder ist das erst im Krieg so eskaliert?
Genau darüber diskutieren Historiker bis heute. Die einen, die „Intentionalisten", sehen den Massenmord als von Anfang an geplantes Ziel der NS-Ideologie. Die anderen, die „Funktionalisten", betonen, dass sich die Vernichtungspolitik erst im Verlauf des Krieges durch Radikalisierung, Konkurrenz zwischen NS-Behörden und die tödliche Praxis der Einsatzgruppen ab 1941 zur systematischen Massenvernichtung gesteigert hat. Vermutlich stimmt beides zum Teil: Der mörderische Antisemitismus war von Anfang an da, seine konkrete industrielle Umsetzung entwickelte sich aber erst während des Krieges.
Im Westen eröffneten die Alliierten am 6. Juni 1944 mit der Landung in der Normandie (D-Day) eine zweite große Front gegen das nationalsozialistische Deutschland, während die Rote Armee im Osten immer weiter vordrang. In den folgenden Monaten gerieten deutsche Truppen an allen Fronten in die Defensive. Im April 1945 schlossen sowjetische Truppen Berlin ein; am 30. April 1945 nahm sich Adolf Hitler in seinem Bunker das Leben. Die Wehrmacht kapitulierte bedingungslos - zunächst am 7. Mai in Reims und, weil die sowjetische Führung auf einer eigenen Unterzeichnung bestand, ein zweites Mal in der Nacht zum 9. Mai in Berlin. Deshalb wird der 8. Mai im Westen und der 9. Mai in Russland bis heute als „Tag des Sieges" begangen - der Krieg in Europa war beendet.
Im Pazifik kämpften die USA noch bis in den Sommer 1945 gegen Japan, das trotz aussichtsloser Lage nicht kapitulieren wollte. Um Japan zur Aufgabe zu zwingen und - so die offizielle amerikanische Begründung - eine als extrem verlustreich eingeschätzte Bodeninvasion zu vermeiden, warfen die USA am 6. August 1945 eine Atombombe auf Hiroshima und drei Tage später, am 9. August 1945, eine zweite auf Nagasaki. Die beiden Bomben töteten unmittelbar und durch die Folgen der radioaktiven Strahlung insgesamt schätzungsweise rund 200.000 Menschen, überwiegend Zivilisten - bis heute sind es die einzigen Kernwaffeneinsätze in einem Krieg. Am 2. September 1945 unterzeichnete Japan die Kapitulationsurkunde, womit auch der Krieg in Asien und der Zweite Weltkrieg insgesamt endeten.
Die Folgen des Krieges prägten die Welt für Jahrzehnte. Deutschland wurde in vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt, aus denen 1949 zwei deutsche Staaten hervorgingen - die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die DDR im Osten -, und auch Europa insgesamt teilte sich zunehmend in einen von den USA geprägten Westen und einen von der Sowjetunion beherrschten Osten. Am 24. Oktober 1945 wurde die UNO (Vereinte Nationen) gegründet, um künftig Kriege durch internationale Zusammenarbeit zu verhindern - auch als Lehre aus dem Scheitern des Völkerbunds nach dem Ersten Weltkrieg. In den Nürnberger Prozessen 1945/46 mussten sich führende NS-Funktionäre erstmals in der Geschichte vor einem internationalen Gericht für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten - ein Grundsatz, der bis heute im Völkerrecht gilt: Auch Einzelpersonen, nicht nur Staaten, können für solche Taten strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. Gleichzeitig begann fast nahtlos der Kalte Krieg, die jahrzehntelange Rivalität zwischen den ehemaligen Alliierten USA und Sowjetunion, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen sollte.
Wannseekonferenz, 20. Januar 1942: Hier koordinierten NS-Beamte bürokratisch die Deportation und Ermordung der europäischen Juden - ein zentrales Datum, um zu verstehen, wie der Holocaust organisiert und verwaltet wurde. Die Debatte „Intentionalismus vs. Funktionalismus" (war die Vernichtung von Anfang an geplant oder eskalierte sie erst im Kriegsverlauf?) ist ein klassisches Oberstufen-Diskussionsthema.