Chemie - Grundlagen

Die drei Aggregatzustände (fest, flüssig, gasförmig) leicht erklärt

Fast jeder Stoff kann in drei verschiedenen Formen vorkommen: fest, flüssig oder gasförmig. Welche Form gerade vorliegt, hängt vor allem von der Temperatur ab - und bei welcher Temperatur der Wechsel passiert, ist von Stoff zu Stoff völlig unterschiedlich. Wasser wird schon bei 0°C fest, Eisen dagegen erst bei über 1500°C. Warum das so ist, schauen wir uns hier ganz genau an.

fest ⇆ flüssig ⇆ gasförmig schmelzen/erstarren und verdampfen/kondensieren - der Wechsel funktioniert in beide Richtungen
Fest Flüssig Gasförmig Teilchen fest an ihrem Platz, dicht gepackt Teilchen dicht gepackt, aber frei beweglich Teilchen weit verteilt, schnell & ungeordnet schmelzen erstarren verdampfen kondensieren

Je mehr Energie (Wärme) die Teilchen bekommen, desto stärker bewegen sie sich - vom geordneten Gitter über die bewegliche Flüssigkeit bis zum frei fliegenden Gas.

Im festen Zustand sitzen die Teilchen (Atome, Ionen oder Moleküle) fest auf ihrem Platz in einem geordneten Gitter. Sie können nicht durch den Stoff wandern, sondern nur auf der Stelle schwingen - deshalb behält ein fester Körper von selbst seine Form und sein Volumen.

Im flüssigen Zustand liegen die Teilchen fast genauso dicht beieinander wie im festen Zustand, können aber aneinander vorbeigleiten. Deshalb passt sich eine Flüssigkeit der Form ihres Gefäßes an, behält aber ihr Volumen - Wasser lässt sich nicht spürbar zusammendrücken.

Im gasförmigen Zustand haben die Teilchen kaum noch Kontakt zueinander. Sie fliegen schnell und ungeordnet durch den Raum und verteilen sich gleichmäßig, bis sie auf eine Wand treffen. Deshalb füllt ein Gas immer den gesamten verfügbaren Raum aus und lässt sich leicht zusammendrücken.

Der Übergang zwischen den Zuständen passiert nicht bei einer beliebigen Temperatur, sondern bei einem für jeden Stoff exakt festgelegten Punkt - dem Schmelzpunkt (fest → flüssig) und dem Siedepunkt (flüssig → gasförmig), jeweils bei Normaldruck (1013 hPa, ungefähr der Luftdruck auf Meereshöhe). Und diese Punkte liegen bei verschiedenen Stoffen erstaunlich weit auseinander:

Schmelz- und Siedepunkte im Vergleich Wasser 0°C 100°C Silber 962°C 2162°C Gold 1064°C 2856°C Eisen 1538°C 2862°C 0 500 1000 1500 2000 2500 Temperatur in °C (bei Normaldruck)

Der Balken zeigt den flüssigen Bereich jedes Stoffs - links vom Balken ist er fest, rechts davon gasförmig. Wasser hat mit nur 100 Grad Abstand den kleinsten flüssigen Bereich, Eisen den größten.

💬 Mia fragt Opa Theo

Mia

Warum wird Wasser schon bei 0°C fest, aber Eisen erst bei über 1500°C?

Opa Theo

Das hängt davon ab, wie stark die Teilchen zusammengehalten werden. In Metallen wie Eisen halten sehr starke metallische Bindungen die Atome zusammen - die brauchen enorm viel Energie, also hohe Temperatur, um sich zu lösen. Wassermoleküle halten dagegen nur über vergleichsweise schwache Wasserstoffbrückenbindungen zusammen, die schon bei viel weniger Energie auseinanderbrechen.

Mia

Warum liegen Schmelz- und Siedepunkt bei Gold und Silber so nah beieinander, aber trotzdem nicht genau gleich?

Opa Theo

Gold- und Silberatome sind sich chemisch sehr ähnlich - beide sind Edelmetalle mit ähnlich starken metallischen Bindungen. Aber Goldatome sind etwas schwerer und ihre Bindungen minimal stärker, deshalb liegen Schmelz- und vor allem Siedepunkt von Gold noch etwas höher als bei Silber.

Mia

Kocht Wasser eigentlich überall auf der Welt bei genau 100°C?

Opa Theo

Nur bei Normaldruck auf Meereshöhe! Je weniger Luftdruck herrscht, desto leichter können die Wasserteilchen entweichen - deshalb kocht Wasser auf einem hohen Berg schon bei niedrigerer Temperatur. Auf einem 5000-Meter-Gipfel zum Beispiel kocht Wasser schon bei etwa 83°C.

Mia

Und Glas? Wann wird das eigentlich fest oder flüssig?

Opa Theo

Genau das ist bei Glas kompliziert - im Gegensatz zu Wasser, Eisen, Gold und Silber hat Glas gar keinen festen Schmelzpunkt. Das erklär ich dir gleich genauer.

Der Sonderfall Glas

Wasser, Eisen, Gold und Silber sind kristalline Stoffe - ihre Teilchen ordnen sich im festen Zustand in einem exakten, sich wiederholenden Gitter, und genau deshalb gibt es einen exakten Punkt, an dem dieses Gitter zusammenbricht. Glas dagegen ist amorph: Seine Teilchen sind auch im festen Zustand ungeordnet angeordnet, fast wie eine eingefrorene Flüssigkeit. Deshalb gibt es keinen scharfen Schmelzpunkt, sondern nur einen allmählichen Übergangsbereich (den sogenannten Transformationsbereich), in dem Glas immer weicher wird. Bei gewöhnlichem Fensterglas beginnt dieser Bereich bei etwa 550-600°C, richtig fließfähig und verarbeitbar wird es erst bei etwa 1400-1600°C. Genau diesen weichen Übergang nutzen Glasbläser, um Glas in Form zu bringen, ohne dass es plötzlich von fest zu komplett flüssig umschlägt.

Ob ein Stoff bei Raumtemperatur fest, flüssig oder gasförmig ist, hängt also nicht vom Zufall ab, sondern davon, wie stark seine Teilchen zusammengehalten werden - und genau das macht Wasser, Metalle und Glas im Alltag so unterschiedlich.

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